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Lebensraum

Gelbbauchunken besiedeln im Allgemeinen dynamische Lebensräume mit einer hohen Strukturvielfalt und benötigen besonnte, vegetationsarme Flachgewässern zur Fortpflanzung. Ursprünglich entstanden solche Gewässer durch Geschiebedynamik entlang von Bachläufen in Mittelgebirgsregionen sowie in Auenbereichen von Flussläufen, wo Überschwemmungen immer wieder dynamische neue Gewässer entstehen ließen. Die von der Unke genutzten Lebensräume lagen daher in Auen natürlicher Fließgewässer, im Bereich von Quellmooren, im Verlandungsbereich von Biberstauseen, in Sümpfen und Feuchtwiesen.

 

                                                                                                                                     Abb. 1: Natürlicher Lebensraum an einem Fließgewässer.

Heutzutage findet man Gelbbauchunken meist nur noch in Sekundärlebensräumen, in welchen menschliche Tätigkeit regelmäßig neue Tümpel entstehen lässt. Dies sind Bodenabbaugebiete wie Steinbrüche, Kies-, Sand- und Tongruben sowie militärische Übungsplätze. In diesen Sekundärhabitaten wird durch Abbautätigkeit und das Befahren mittels Maschinen die nötige Dynamik erzeugt, welche die Vegetation zurückhält und regelmäßig offene Flächen und Kleingewässer entstehen lässt. Ähnlich gut geeignet können wassergefüllte Fahrspuren an besonnten Rückegassen und Forstwegen sein.

 

                                                                                                             Abb. 2: Von Menschen geschaffener Lebensraum in einem Steinbruch.

 

Durch ihre amphibische Lebensweise und ihre Empfindlichkeit gegen Trockenheit, ist die Gelbbauchunke auf ein Mosaik von unterschiedlichen Lebensraumtypen auch an Land angewiesen. Der Lebensraum der Gelbbauchunke gliedert sich daher in Wasser- und Landlebensraum. Gute Lebensraumbedingungen herrschen vor, wenn die Feucht- und Trockenbereiche eng vernetzt sind und man findet Gelbbauchunken daher bevorzugt in Gebieten, in denen Wälder oder verbuschte Flächen mit Offenlandschaften wechseln.

 

Abb. 3: Ein Mosaik aus gut geeigneten Wasser- und Landlebensräumen bietet optimale Lebensraumbedingungen für Gelbbauchunken.

 

Der Wasserlebensraum

Gelbbauchunken nutzen verschiedene Gewässertypen in unterschiedlicher Weise. Temporäre Gewässer unterliegen einer regelmäßigen Austrocknungsdynamik. Sie werden als Laichgewässer genutzt, während permanente (ständig wasserführende) Gewässer als Aufenthaltsgewässer dienen.

 

  

Abb. 4: Typisches Laichgewässer (links) und Aufenthaltsgewässer (rechts) der Gelbbauchunke.

 

Laichgewässer sind flache, sonnenexponierte, temporäre Kleinstgewässer mit keiner bis spärlicher Vegetation. Sie erwärmen sich schnell und beschleunigen somit die Laich- und Larvenentwicklung. Die Austrocknungsdynamik ist wichtig für die Gelbbauchunke, da sie durch ihre vergleichsweise geringe Reproduktionsrate konkurrenzschwach ist. Durch den temporären vegetationslosen Charakter der Gewässer ist eine geringe Prädatorendichte gewährleistet, beispielweise sind diese frei von Fischen und es gibt keine bis wenig Molche oder Libellenlarven. Zu den ursprünglichen Laichgewässern zählen gelegentlich überschwemmte Au- und Felstümpel entlang von Fließgewässern, zeitweise durchflossene Bachkolke, Quelltümpel oder Wildschweinsuhlen. In Sekundärlebensräumen stellen wasserführende Radspuren die typischen Laichgewässer dar.

 

Aufenthaltsgewässer sind permanente und somit vegetationsreiche, teilweise beschattete Gewässer mit ausreichend Versteckmöglichkeiten. Diese werden vorwiegend von Jungtieren und nicht paarungsbereiten Weibchen genutzt. Geschlechtsreife männliche Unken halten sich hingegen meist an den Laichgewässern auf. In heißen trockenen Perioden kann man Unken jeden Alters und Geschlechts in Aufenthaltsgewässern wie schattigen Waldweihern oder Weidetümpeln finden.

 

Der Landlebensraum

Außerhalb der Laichperioden und in heißen Witterungsphasen, in denen die meisten Gewässer ausgetrocknet sind, halten sich Gelbbauchunken auch an Land auf. Dabei werden Lebensräume bevorzugt, die durch Wald oder Buschwerk beschattet werden. Oft sind sie in Gewässernähe im Röhricht, unter Steinen oder Totholz und in Erdspalten zu finden. Dabei ist wichtig, dass die Tagesverstecke eine ausreichende Luft- und Bodenfeuchtigkeit aufweisen.

 

  

Abb. 5: Landlebensräume der Gelbbauchunke, die Versteckplätze  und Winterquartiere bieten.

 

Die Gelbbauchunke überwintert im Landlebensraum, da die Kleingewässer vollständig durchfrieren. Winterquartiere finden sich im Wald unter morschen Baumstämmen, in Erdlöchern und -spalten, in Geröllfeldern, in teilweise mit Lehm gefüllten Steinhaufen sowie Felsspalten und Stollen von Steinbrüchen.

 


 

Das Projekt 'Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland' wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

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