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Projektregion Nördliches Weserbergland

Naturräumlich befindet sich die Projektregion „Nördliches Weserbergland" im Niedersächsischen Bergland, auch Weser- oder Weser-Leine-Bergland genannt. Das Weserbergland ist weitläufig und erstreckt sich über das südliche Niedersachsen, das nordöstliche Nordrhein-Westfalen und das nördliche Hessen. Mit Erhebungen von bis zu 530 m ü. NN gehört das Weserbergland zur Mittelgebirgsregion und ist Teil der deutschen Mittelgebirgsschwelle. Die Projektregion befindet sich an den nördlichen Ausläufern des Weserberglandes mit Höhen bis ca. 440 m ü. NN.

Naturräumliche Einheiten der Projektregion sind von Westen nach Osten das Rinteln-Hamelner Weserbergland mit dem Wesertal und dem Wesergebirgsvorland sowie das Kalenberger Bergland mit dem Wesergebirge, den Bückebergen und dem Süntel bis hin zum Kalenberger Becken. Südlich wird die Projektregion vom Lipper Bergland abgegrenzt, im Norden vom Bückebergvorland. Im Westen grenzt das Ravensberger Hügelland und das Wiehengebirge an die Projektregion. Östlich werden die Naturräume der Kalenberger Lössbörde abgegrenzt.

In der Projektregion „Nördliches Weserbergland" wird länderübergreifend in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gearbeitet. Die Projektgebiete verteilen sich über die administrativen Grenzen des Kreises Minden-Lübbecke und der Landkreise Schaumburg sowie Hameln-Pyrmont (Abb. 1).

 

Projektregionen
Abb. 1: Übersichtskarte zu der länderübergreifenden Projektregion „Nördliches Weserbergland" mit 53 Projektgebieten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Projektgebiete

Insgesamt umfasst die Projektregion „Nördliches Weserbergland" 53 Projektgebiete, wobei in elf Gebieten Gelbbauchunken-Vorkommen vorhanden sind. Diese liegen zumeist in vom Menschen geschaffenen, sogenannten „Sekundärhabitaten". Das sind aufgelassene Steinbrüche bzw. desgleichen mit aktivem Abbaubetrieb, militärische Übungsplätze und ehemalige Sand-, Kies- und Tongruben. Ein sehr kleines Vorkommen liegt in einem Primärhabitat – im renaturierten Auenbereich – der Bückeburger Aue.

Interessant sind außerdem die Vorkommen auf dem Bückeberg. In dem hiesigen „Schaumburger Gelbbauchunkenprojekt" werden bereits seit dem Jahr 1999 mit Erfolg akzeptanzbildende Gespräche für den Artenschutz, praktische Maßnahmen und eine wissenschaftliche Begleitung durchgeführt. Dies geschieht mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde sowie den Revierförstern des Landkreises Schaumburg, der Klosterkammer Hannover und ehrenamtlichen NABU-Aktiven. Die vor allem aus den praktisch durchgeführten Maßnahmen gewonnen Erkenntnisse, sowie die gelungene Vernetzung von Vorkommen auf dem Bückeberg bilden die Grundlage für das deutschlandweite Gelbbauchunkenprojekt.

Das größte und zugleich nördlichste Vorkommen der Projektregion liegt mit rund 1.000 Gelbbauchunken im Steinbruch Liekwegen (Abb. 2). Diese ehemalige Abgrabung konnte ganz für den Artenschutz gewonnen werden und bildet mittlerweile nicht nur das größte rezente Gelbbauchunken-Vorkommen Niedersachsens, sondern ist seit dem Jahr 2010 mit Informationstafeln, einem kleinen Wanderweg sowie Führungen über Natur- und Artenschutz in einem ehemals vom Menschen geschaffenen Lebensraum eine wichtige Bildungsstätte und ein Erlebnisraum, in dem der Naturschutz oberste Priorität hat.

 

Projektgebiet Steinbruch Liekwegen
Abb. 2: Projektgebiet Steinbruch Liekwegen.
 

Eine besondere Herausforderung in der Region besteht durch das letzte Gelbbauchunken-Vorkommen im Landkreis Hameln-Pyrmont. Dieses liegt stark isoliert (18,2 Kilometer Luftlinie) vom nächsten Vorkommen entfernt und soll durch Maßnahmen gestärkt und über lange Sicht wieder mit anderen Vorkommen vernetzt werden.

Zwei Vorkommen liegen im Kreis Minden-Lübbecke. Hier ist die größte Herausforderung die Vernetzung der Vorkommen und weiterer Projektgebiete trotz des hohen Anteils von versiegelter Fläche in Form von Siedlungen und Straßen. Dabei ist die Autobahn A2 eine besondere Barriere, welche die gesamte Projektregion in einen Nord- und einen Südteil zerschneidet und die natürliche Erschließung neuer Gebiete durch die Gelbbauchunke erschwert oder verhindert, da sie nur punktuell von Gelbbauchunken unterwandert werden kann.

Regionale Projektziele und Maßnahmen

Wichtig für die praktische Umsetzung des Projektes ist die enge Zusammenarbeit mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Minden-Lübbecke, der Stadt Porta Westfalica sowie mit den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont.

Für den Artenschutz steht zudem die Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern im Vordergrund. Dabei sind die Norddeutsche Naturstein AG (NNG) und die Barbara Erzbergbau GmbH zu nennen, welche neben dem Einsatz von Maschinen auch den Artenschutz auf ihren Flächen unterstützen. Auch die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und die Klosterkammer Hannover unterstützen auf ihren Eigentumsflächen das Nebeneinander von Artenschutz und Bewirtschaftung.

Die grundsätzlichen Ziele sind die Stärkung und Vernetzung bestehender Populationen. Dabei werden in bestehenden Vorkommen neue Reproduktionsgewässer angelegt sowie ältere sukzessionsbeeinträchtigte Gewässer revitalisiert. Weiter werden aufkommende Gehölze entfernt, um eine Besonnung der Tümpel zu gewährleisten. Durch diese Maßnahme wird die Reproduktion angeregt. Viele juvenile und subadulte (einjährige) Gelbbauchunken führen zu einem hohen Expansions- bzw. Abwanderungsdruck, welcher die Grundlage für die Ausbreitung und Erschließung neuer geeigneter Lebensräume darstellt. Projektgebiete und Trittsteine in der Umgebung – möglichst in Distanzen um einen Kilometer – sollen dadurch auf natürlichem Weg wiederbesiedelt werden. Geeignete offene Lebensräume, wie es die Projektgebiete sind, werden dafür ebenfalls mit Gewässern ausgestattet. Praktisch werden Tümpel, Kleingewässer und später wasserführende Radspuren mit schweren Geräten wie Radlader und Kettenbagger angelegt, die der Gelbbauchunke als Lebensraum dienen und zur Begründung von Populationen geeignet sind (Abb. 3).

 

Schaffung von Rohbodenflächen und Anlagen von Tümpeln
Abb. 3: Schaffung von Rohbodenflächen und Anlage von Tümpeln unter Einsatz eines Kettenbaggers.
 

Weiter Projektziele, wie die langfristige Sicherung der Gelbbauchunken-Vorkommen werden durch den punktuellen Ankauf von artenschutztechnisch wertvollen Flächen unterstützt.

Speziell in dieser Projektregion sollen verschiedene Metapopulationen etabliert werden. Eine Metapopulation ist dabei eine Gelbbauchunkenpopulation, die sich aus mehreren kleinen Subpopulationen in verschiedenen Projektgebieten zusammensetzt. Die verschiedenen Subpopulationen sind durch einzelne wandernde Individuen so vernetzt, dass regelmäßig genetischer Austausch stattfindet. Meist gibt es dabei große Populationen, die durch den hohen Abwanderungsdruck als Spenderpopulation fungieren. Kleinere Populationen oder Trittsteine können hingegen z.B. in trockenen Jahren oder durch lokale Aussterbeereignisse gelbbauchunkenfrei sein, werden allerdings durch die Spenderpopulation bei geeigneten Bedingungen durch wandernde Gelbbauchunken wiederbesiedelt. Um die Ansiedlung von Metapopulationen und die Vernetzung bei besonders isolierter Lage bestehender Populationen zu unterstützen, sind an fünf Standorten, unter anderem im östlichen Bereich des Kreises Minden-Lübbecke und ebendiesem im Landkreis Schaumburg, Wiederansiedlungen geplant. Diese werden durch genetische Analysen und ein Monitoring wissenschaftlich begleitet.

Regional hervorzuheben ist, dass in die Vernetzung der Lebensräume mit der Bückeburger Aue auch ein ehemaliger Primärlebensraum mit mindestens drei Projektgebieten eingebunden ist. Dieser Lebensraum soll durch die Anlage von Tümpeln und Flutmulden sowie die Einbindung eines Beweidungssystems so hergerichtet werden, dass eine nachhaltige Offenhaltung und Dynamik für die Gelbbauchunke ermöglicht wird (Abb. 4).

 

Praxisbeispiel für Ganzjahresbeweidungssysteme in Projektgebieten
Abb. 4: Praxisbeispiel für Ganzjahresbeweidungssysteme in Projektgebieten stellen die Sorraia-Pferde im Projektgebiet Steinbruch Liekwegen dar.
 

Ansprechpartner

NABU Niedersachsen

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Christian Höppner

Kerschensteinerweg 3

31737 Rinteln

Tel.: 05751/9243801

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Link: NABU Niedersachsen

 


 

Das Projekt 'Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland' wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

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