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Hintergrund

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt (BPBV) unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Information und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.


Gelbbauchunke copyright F. HerhausDie Verantwortungsart Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist eine Ziel- und Leitart des Naturschutzes und steht Pate für dynamische strukturreiche Lebensräume mit einer hohen Artenvielfalt, die von besonderer Bedeutung für die NBS sind. Der ursprüngliche Lebensraum dieses kleinen Froschlurchs mit der charakteristisch gelb-schwarz gefleckten Unterseite umfasste in erster Linie die Auenbereiche von Flüssen. Dort entstanden durch Hochwässer immer neue Rohbodenflächen und sonnenexponierte Kleinstgewässer, welche Gelbbauchunken für eine erfolgreiche Fortpflanzung benötigen.

 

 

copyright B. ScheelDurch die Begradigung und Befestigung der Fließgewässer kommt die Gelbbauchunke heute meist nur noch in vom Menschen geschaffenen − sogenannten Sekundärlebensräumen − vor. Dies sind hauptsächlich Ton-, Sand- und Kiesgruben, Steinbrüche und Truppenübungsplätze, bei denen durch extensive Nutzung noch die Dynamik vorhanden ist, welche die Entstehung von temporären kleinen Tümpeln ermöglicht. Diese Sekundärhabitate sind jedoch ebenfalls bedroht, da beispielsweise Abbauten zu intensiv genutzt, rekultiviert oder als Müllhalde ausgewiesen werden und somit nicht mehr als Lebensraum zur Verfügung stehen. Zudem können geeignete Lebensräume derzeit kaum mehr selbstständig (wieder)besiedelt werden, da zu weite Entfernungen und/oder unüberwindbare Barrieren, wie z.B. Straßen, zwischen bestehenden Gelbbauchunken-Vorkommen liegen. Daher sind die aktuell bestehenden Populationen oft stark isoliert und es besteht kein genetischer Austausch.


Die Gelbbauchunke befindet sich in Deutschland in einem schlechten Erhaltungszustand. Sie ist auf der Roten Liste Deutschlands als „stark gefährdet" und in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als „vom Aussterben bedroht" eingestuft. Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für diese Art, da sich hier sowohl ihre nördliche Verbreitungsgrenze als auch ein bedeutender Teil des Gesamtareals befindet. Der NABU hat sich als erster Naturschutzverband der länderübergreifenden Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland angenommen und will mit seinen Projekt- und Kooperationspartnern bestehende Populationen der Gelbbauchunke stärken, Trittsteinbiotope zwischen Lebensräumen anlegen und teilweise die Art auch wiederansiedeln, um isolierte Populationen miteinander zu verbinden. Instrumente zur langfristigen Sicherung und Pflege der Lebensräume sollen entwickelt und umgesetzt werden. Durch die Maßnahmen soll nicht nur die Vielfalt an Lebensräumen, sondern auch die Artenvielfalt in 5 Bundesländern in insgesamt 8 Projektregionen mit 130 Projektgebieten erhöht werden.

 


 

Das Projekt 'Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland' wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

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