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30.01.2015: Renaturierung eines Teilabschnitts der Bückeburger Aue

Grünes Licht für eine hoch bedrohte Art – die Gelbbauchunke: Renaturierung eines weiteren Teilabschnitts der Bückeburger Aue

 

Startschuss: NABU Niedersachsen geht das größte Teilprojekt an

 

Borstel, Rinteln, Hannover. Für die Gelbbauchunke geht es weiter vorwärts – dieser hoch bedrohten Art hilft der NABU Niedersachsen mit der Anlage einer „Sekundäraue“ an der Bückeburger Aue in Borstel, Landkreis Schaumburg. Mit dieser Umsetzung des vom Maßnahmenvolumen größten Teilprojekts im Rahmen des bundesweiten Projektes „Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland“ wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um die Art zu retten – und viele weitere im Gefolge. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Umweltministeriums im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Der NABU organisiert in Kooperation mit dem Landkreis Schaumburg die Renaturierung des Auenabschnittes im Bereich Borstel und geht durch die Anbindung der Altaue von einer Struktur- und Artenanreicherung aus, die vor allem der Gelbbauchunke einen ursprünglichen Primärlebensraum wieder zugänglich machen soll.

 

 

Frost oder Sonne, das ist Christian Höppner egal, beides wäre gut, „Hauptsache etwas trockenerer Boden“, sagt der NABU-Mitarbeiter, und zeigt auf die gelben und roten Pflöcke, mit denen die bevorstehende Baumaßnahme abgesteckt ist. Dann könnte der Bagger mit der Arbeit beginnen. Denn hier im Auetal, zwischen Bernsen und Borstel, an der „Schiefen Lanner“, wird ein Bereich der Altaue durch die Anlage einer „Sekundäraue“ wieder an die Bückeburger Aue angebunden. Fünfeinhalb Hektar Fläche stehen dem NABU hier zur Verfügung, um in Kooperation mit dem Landkreis Schaumburg Naturschutz zu betreiben.

 

„Die Maßnahme stellt finanziell und planerisch den bisher größten Aufwand eines Einzelnen von insgesamt 130 Projektgebieten des bundesweiten Gelbbauchunken-Projekts dar“, erklärt Christian Höppner. Nun wird die Umsetzung erwartet. Spannend ist die Maßnahme vor allem deshalb, weil die in Niedersachsen vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke – bis dato in der Region meist auf so genannte Sekundärlebensräume beschränkt – jetzt durch die Renaturierungsmaßnahme der Aue, die Anbindung an einen ihrer ursprünglichen Primärlebensräume – ein verzweigtes Flusssystem mit natürlicher Eigendynamik – zurück erhalten soll. Gleichzeitig wird so der Lückenschluss im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Unke und damit der Biotopverbund geschafft.

 

Etwa anderthalb Hektar liegen nördlich der Aue, „und hier passiert das Meiste, da hier die Sekundäraue angelegt wird“, betont Projektmitarbeiterin Ilona Jentschke vom NABU Niedersachsen. Entstehen wird hier eine große Sekundäraue von gut 4.900 Quadratmetern, die bei Hochwasser überflutet wird. Der Startschuss ist intern gefallen, nur das Wetter muss sich ändern, denn sonst wären die Schäden durch die Baufahrzeuge beträchtlich. Verwendung für den Boden gibt es auch: Er muss keineswegs umweltbelastend und teuer zu einer Bodendeponie abgefahren werden, sondern wird auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen, auf den Feldern, ausgebracht. Der positive Nebeneffekt: Der nährstoffreiche, humose Oberboden dient den Landwirten, während der nährstoffärmere Boden besser für die Gelbbauchunke geeignet ist.

 

Als Strömungslenker und weitere wertvolle Struktur wird eine Pappel in die Aue eingebaut. Diese soll die Überflutung und damit die Dynamik in diesem neu angelegten Sekundärauenbereich forcieren. Zudem werden sonnenexponierte Tümpel angelegt, in welchen die Gelbbauchunke geeignete Bedingungen zur Reproduktion vorfinden soll. Eine Stauwirkung auf angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen wird durch die Anlage von drei Entwässerungsgräben Richtung Sekundäraue – verhindert. Doch noch mehr soll nicht angelegt werden, „den Rest erledigt die natürliche Fließgewässerdynamik der Aue, die mit Kolken, Ablagerung von Kies und Sand das Relief regelmäßig neu formt und hier in Zukunft für ein Mosaik von Kleinstlebensräumen sorgt und damit die Artenvielfalt fördert“, so Ralf Berkhan Projektleiter des bundesweiten Gelbbauchunken-Projekts. Auf die Frage der Wiederbesiedlung erklärt er: „Wir wollen hier eine natürliche Wiederbesiedlung durch die Gelbbauchunke erreichen. Diese ist auch realistisch, da die nächsten Vorkommen durch lediglich einen Kilometer lange Wasserleitlinien mit dem Projektgebiet an der Schiefen Lanner vernetzt sind. Und die Unken orientieren sich entlang des Wassers!“.

 

In Zukunft soll das Gebiet links und rechts der Aue durch eine extensive Weidenutzung offen gehalten werden. Eine Handvoll Rinder oder Pferde wird dafür sorgen, dass keine holzigen Pflanzen aufkommen. In der Offenhaltung besteht der wesentliche Unterschied zu der kürzlich angelegten Flutmulde gut zweieinhalb Kilometer weiter flussabwärts. Hier wurde, ebenfalls durch den NABU, die Aue für den Schwarzstorch renaturiert. Die Fläche dort soll sich durch natürlichen Aufwuchs von Bäumen und Büschen zu einer Weichholzaue entwickeln. „An der Bückeburger Aue setzen sich die Mosaiksteinchen zusammen, kleinräumig entstehen neue Lebensräume für verschiedenste gefährdete Arten. Gleichzeitig sind die Lebensräume miteinander vernetzt – ein wichtiger Aspekt in der recht fragmentierten Landschaft“, zeigt sich Ralf Berkhan verheißungsvoll über die zukünftige Entwicklung der Maßnahmenflächen.

 

Vorteile wird die anstehende Maßnahme auch für andere Bewohner des Aue-Raumes bringen: Zum Beispiel für den Eisvogel wird die Uferböschung modelliert. Der schillernde Flitzer mag bekanntlich steile Böschungen im Auebereich zur Anlage seiner Brutröhren. Ebenfalls entstehen strömungsberuhigte Bereiche, die als Laichplätze für Fische geeignet sind. Und um Reh- und Schwarzwild macht sich Christian Höppner keine Sorgen, „es wird sich weder an den Weidetieren stören, noch stellt der geplante Zaun eine Barriere für die Wildtiere dar.“

 


 

Das Projekt 'Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland' wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

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